Inhalt
Workshop

Deutsche Polizei und Streitkräfte im Ausland seit 1945

Münster

Die Entsendung deutscher militärischer und polizeilicher Kräfte ins Ausland gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen Instrumenten deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vielfältige Formen militärischer und polizeilicher Auslandstätigkeit entwi­ckelt.

Deutsche Soldaten und Polizisten stehen im Kreis und blicken in einen Geländesandkasten

Gemeine Einsatzvorbereitung: Deutsche Soldaten und Polizisten planen die Durchführung einer Übung zur Aufstandsbekämpfung (Crowd and Riot Control) bei der NATO-Mission KFOR in Ferizaj/Kosovo (Aufnahme vom September 2024)

Bundeswehr/PAO KFOR

In einer gemeinsame Tagung im Zeitraum 25.–27. November 2026 leuchten die Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol) und des Zen­trums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) die Zusammenhänge zwischen Polizei und Streitkräften aus. Die Tagung findet in den Räumlichkeiten in den Räumlichkeiten de Hochschule in Münster statt. Diese Auslandsentsendungen bieten ein besonders produktives Feld für eine gemein­same Untersuchung von Polizei und Militär. Denn gerade in diesem Kontext verliert die klassische Auf­gabentrennung zwischen Polizei und Militär im Spannungsfeld von innerer und äußerer Sicherheit an Kontur; zugleich werden professionelle Selbstverständnisse, Rollenbilder und institutionelle Logiken beider Bereiche neu ausgehandelt. Insbesondere in Krisen- und Konfliktregionen verschwimmen die Grenzen zwischen militärischen und polizeili­chen Aufgabenfeldern vielfach – zwischen Krieg, Ordnungssicherung, Stabilisierung und Kriminalitätsbekämpfung.

Eine vergleichende Perspektive verspricht daher neue Einsichten in die Erfahrungs­räume, Handlungspraktiken und Deutungsmuster beider Institutionen sowie in ihre Wechselwirkungen. Gleichwohl sind militärische und polizeiliche Auslandsentsendun­gen bislang überwiegend getrennt voneinander untersucht worden. Studien, die Ge­meinsamkeiten, Unterschiede und Wechselwirkungen beider Bereiche systematisch analysieren, liegen bislang kaum vor.

Zwei Fahrzeuge der Bundeswehr und eines der Polizei fahren hintereinander auf einer staubigen Straße

Auf Patrouille: Die deutsche Polizei in Afghanistan wurde auf Patrouille von der Feldjägertruppe begleitetet (Aufnahme vom Januar 2009)

Bundeswehr/EinsFüKdo

Theorie und Praxis

Ziel der Tagung ist es daher, aktuelle Forschungen und praxisbezogene Perspektiven auf deutsche militärische und polizeiliche Auslandsentsendungen erstmals in einem gemeinsamen Forum zusammenzuführen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Neben ge­schichtswissenschaftlichen und interdisziplinären Forschungsbeiträgen sollen dabei auch Erfahrungsberichte von Praktikerinnen und Praktikern einbezogen werden. Verglei­chend angelegte Einzelbeiträge sind ausdrücklich willkommen, aber keine Vorausset­zung. Der vergleichende Blick soll insbesondere in den Diskussionen, Kommentaren und der gemeinsamen Reflexion der Beiträge entwickelt und geschärft werden.

Dieses Vorgehen eröffnet neue Einsichten in die Frage, wie Polizei und Militär ihr Han­deln im Ausland legitimieren, vor Ort umsetzen und reflektieren, wie sie Wissen, Nor­men und Praktiken in internationale Zusammenhänge übersetzen und wie sich ihre Rol­lenbilder im Spannungsfeld zwischen innerer und äußerer Sicherheit verändern. Zu­gleich erlaubt es, institutionelle Blindstellen sichtbar zu machen, die sich aus unter­schiedlichen Manda­tierungen, rechtlichen Grundlagen, Dokumentationspraktiken und organisationalen Kul­turen ergeben und die Bedingungen militärischer und polizeilicher Auslandsverwendun­gen nachhaltig prägen. Nicht zuletzt eröffnet der Blick auf die Wahr­nehmungen und Zu­schreibungen der Menschen in den Einsatzgebieten neue Einsichten in die Frage, was vor Ort als „Polizei“ und was als „Militär“ erscheint.

Als inhaltliche und methodische Klammer dient ein erfahrungsgeschichtlicher Zugang, der neben prägenden Erfahrungen bei den Auslandsentsendungen auch die vorgeschal­teten individuellen und institutionellen Erwartungen sowie die sich wandelnden Erinne­rungen einschließt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen sowie die Erwartungs- und Deutungsmuster sowohl der im Ausland tätigen Militär- und Polizeiangehörigen als auch von Akteuren und Institutionen in Deutschland und in den Einsatzgebieten, die mit diesen Entsendungen befasst oder von ihnen betroffen waren.

Tagungsprogramm

Mittwoch, 25. November 2026

UhrzeitInhalt
Ab 12:00Anmeldung
13:00–13:45 Uhr

Eröffnung, Grußworte

Einführung in die Tagung

 

Gundula Gahlen (DHPol) und Haydée Mareike Haass (DHPol)

13:45–14:00 UhrKaffeepause
14:00–15:45 Uhr

PANEL 1

Sicherheit exportieren – Ausbildung, Beratung und Vorstellungen von Staatlichkeit

 

Moderation: Martin Reese (ZMSBw)

 

Haydée Mareike Haass (DHPol)

Zwischen Demokratisierung und Othering: Fremdheitserzählungen in Selbstzeugnissen der ersten deutschen Polizeientsentungen in Afghanistan

 

Yves Müller (Hochschule Magdeburg Stendal)

„Entsendung von Experten im Rahmen der Möglichkeiten“: Der Auslandseinsatz von Angehörigen der Deutschen Volkspolizei als postkoloniale Polizeihilfe

 

Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)

Zwischen Sicherheitsexport und Staatskonsolidierung: Die militärischen Beziehungen Deutschlands zur Region Kurdistan-Irak seit 2014

15:45–16:15 UhrKaffeepause
16:15–18:00 Uhr

PANEL 2

Einsätze legitimieren und verarbeiten – Mandatsdiskurse, Nachsorge und institutionelles Lernen

 

Moderation: Günther Freisleben (Polizeipräsident a: D: und Head of Mission)

 

Peter Buchner (Institut für Soziologie der Universität Koblenz)

Zwischen Sozialtechnologie und Jurisprudenz: Polizei und Militär: Gemeinsam, aber nicht (immer) im Gleichschritt

 

Gerlind Kirchhof (Leitung des Kriseninterventionsteams der AG internationale Polizeimissionen)

Belastung und psychologische Einsatzbegleitung in internationalen Polizeimissionen

 

Michael Cassens (Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen)

Deutsche Polizeiaufbaumissionen: Erwartungen, Erfahrungen und institutionelle Lernprozesse deutscher Polizeikräfte

18:00–18:30 UhrAbendessen (Mensa)
19:30–21:15 Uhr

ABENDVERANSTALTUNG

Ausgezeichnet im Einsatz – Die Preisträger 2026 im Gespräch

Kasino

Moderation: Haydée Mareike Haass (DHPol)

 

Stephanie Königs (Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss)

„Deutsche Polizistin des Jahres“ – Auszeichnung der UN

Erfahrungen aus UNMISS/Südsudan

 

Thomas Hofmann (Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, ZIF)

Ausgezeichnet mit dem „Peacekeeper Award 2026“

Erfahrungen aus internationalen EU-Missionen, derzeit EUBAM Rafah

 

Donnerstag, 26. November 2026

UhrzeitInhalt
09:00–10:20 Uhr

PANEL 3

Afghanistan als gemeinsamer Erfahrungsraum – Polizei und Militär zwischen Auftrag, Erfahrung und Evaluierung

 

Moderation: Haydée Mareike Haass (DHPol)

 

Christian Hartmann (ehem. ZMSBw)

Afghanistan – Rahmenbedingungen eines Einsatzraums

 

Uwe Marquardt (Kreispolizeibehörde Steinfurt)

Strategische Evaluierung des deutschen Polizeiengagements in Afghanistan: Ergebnisse der ressortgemeinsamen Evaluierung des zivilen Engagements der Bundesregierung

10:20–10:45 UhrKaffeepause
10:45–12:05 Uhr

PANEL 4

Zwischen Evakuierung und Friedenssicherung – deutsche Sicherheitsakteure in internationalen Umbruchsituationen

 

Moderation: Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)

 

Emma Nentwig (Universität Hamburg)

Evakuierung ohne Einsatz? Die bundesdeutschen Planungen zur Rettung deutscher Staatsangehöriger während der iranischen Revolution 1978/79

 

Daniel Lange (Deutsch-Namibische Gesellschaft)

Fallstudie Namibia: Zeitenwende in Südwestafrika 1989/90: Dreifach deutsche Perspektiven auf die erste und einzige deutsch-deutsche UN-Patrouille

12:05–13:00 UhrMittagspause (Mensa)
13:00–14:20 Uhr

PANEL 5

Gegenwärtige Auslandseinsätze von Polizei und Bundeswehr – Auftrag, Praxis und Erfahrungen zwischen Kontinuität und Wandel

 

Moderation: Fabian Hönicke (DHPol)

 

Aylin Sözen (Kreispolizeibehörde Neuss)

Polizeiliche Erfahrungen aus dem Kosovo-Einsatz

 

Günther Freisleben (Polizeipräsident a. D. und Head of Mission)

Praxiserfahrungen aus verschiedenen Missionen: Der polizeiliche Blick auf die Bundeswehr

14:20–14:45 UhrKaffeepause
14:45–16:15 UhrProgrammpunkt offen
16:15–17:35 Uhr

PANEL 6

Sicherheit exportieren – Wissenstransfer und internationale Sicherheitskooperation

 

Moderation: Gundula Gahlen (DHPol)

 

Fabian Bennewitz (Institut für Zeitgeschichte München–Berlin, Abteilung im Auswärtigen Amt)

Ausbildungshilfe zwischen demokratischem Aufbruch und Repression: Westdeutsche Polizeiexperten in Guatemala (1986–1991)

 

Noura Chalati (Universität Leiden)

Wissenszirkulation zwischen der Deutschen Volkspolizei der DDR und der syrischen Polizei: SIGINT-Ausbildung und Sicherheitskooperation

17:35–18:30 UhrAbendessen (Mensa)

 

Freitag, 27. November 2026

UhrzeitInhalt
08:30–10:30 Uhr

ROUNDTABLE

Internationale Missionen von Polizei und Streitkräften – Erfahrungsberichte und Perspektiven                                                                                                                                                 

Moderation: Oliver Bossert (Deutsche Hochschule der Polizei, DHPol)

 

Stephanie Königs (Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss)

Polizeiliche Erfahrungen aus UNMISS/Südsudan

 

Thomas Hofmann (Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, ZIF)

Zivile Erfahrungen aus internationalen EU-Missionen

 

Günther Freisleben (Polizeipräsident a: D: und Head of Mission)

Erfahrungen aus internationalen Polizeimissionen

 

Nick Almstädt (NATO-Mission, Bosnien)

Militärische Rollen im Wandel: Verantwortung, Handlungsspielräume und Lernen in internationalen Missionen

10:30–11:00 UhrKaffeepause
11:00–11:45 Uhr

Abschlusskommentare

 

Thorsten Loch (ZMSBw) und Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)

11:45–12:30 UhrMittagessen (Mensa)

Organisationsteam

Gundula Gahlen (DHPol)
Haydée Mareike Haass (DHPol)
Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)
Thorsten Loch (ZMSBw)

Anmeldung

Gastzuhörer können sich bis zum 31. Oktober 2026 für die Veranstaltung per E-Mail bei Denise Tschirner unter denise.tschirner@dhpol.de anmelden.

Für Medienvertretende

Oberstleutnant Michael Gutzeit

0331 9714 400

ZMSBwPressestelle@bundeswehr.org

Deutsche Polizei und Streitkräfte im Ausland seit 1945

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Veranstaltungsort

Einfahrt zur Hochschule

Deutsche Hochschule der Polizei

Universität der Polizeien des Bundes und der Länder
Zum Roten Berge 18–24
48165 Münster

Wegbeschreibung anzeigen
Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Das sind einerseits für den Betrieb der Seite notwendige Cookies, andererseits solche, die für Statistikzwecke, für die Anzeige von Posts aus sozialen Netzwerken oder bei der Anzeige von Kartenmaterial gesetzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche davon Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen eventuell nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter

    Kanal_Datenschutzerklärung