Deutsche Hochschule der Polizei
Universität der Polizeien des Bundes und der Länder
Zum Roten Berge 18–24
48165 Münster
Die Entsendung deutscher militärischer und polizeilicher Kräfte ins Ausland gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen Instrumenten deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vielfältige Formen militärischer und polizeilicher Auslandstätigkeit entwickelt.
Gemeine Einsatzvorbereitung: Deutsche Soldaten und Polizisten planen die Durchführung einer Übung zur Aufstandsbekämpfung (Crowd and Riot Control) bei der NATO-Mission KFOR in Ferizaj/Kosovo (Aufnahme vom September 2024)
Bundeswehr/PAO KFORIn einer gemeinsame Tagung im Zeitraum 25.–27. November 2026 leuchten die Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol) und des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) die Zusammenhänge zwischen Polizei und Streitkräften aus. Die Tagung findet in den Räumlichkeiten in den Räumlichkeiten de Hochschule in Münster statt. Diese Auslandsentsendungen bieten ein besonders produktives Feld für eine gemeinsame Untersuchung von Polizei und Militär. Denn gerade in diesem Kontext verliert die klassische Aufgabentrennung zwischen Polizei und Militär im Spannungsfeld von innerer und äußerer Sicherheit an Kontur; zugleich werden professionelle Selbstverständnisse, Rollenbilder und institutionelle Logiken beider Bereiche neu ausgehandelt. Insbesondere in Krisen- und Konfliktregionen verschwimmen die Grenzen zwischen militärischen und polizeilichen Aufgabenfeldern vielfach – zwischen Krieg, Ordnungssicherung, Stabilisierung und Kriminalitätsbekämpfung.
Eine vergleichende Perspektive verspricht daher neue Einsichten in die Erfahrungsräume, Handlungspraktiken und Deutungsmuster beider Institutionen sowie in ihre Wechselwirkungen. Gleichwohl sind militärische und polizeiliche Auslandsentsendungen bislang überwiegend getrennt voneinander untersucht worden. Studien, die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wechselwirkungen beider Bereiche systematisch analysieren, liegen bislang kaum vor.
Auf Patrouille: Die deutsche Polizei in Afghanistan wurde auf Patrouille von der Feldjägertruppe begleitetet (Aufnahme vom Januar 2009)
Bundeswehr/EinsFüKdoZiel der Tagung ist es daher, aktuelle Forschungen und praxisbezogene Perspektiven auf deutsche militärische und polizeiliche Auslandsentsendungen erstmals in einem gemeinsamen Forum zusammenzuführen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Neben geschichtswissenschaftlichen und interdisziplinären Forschungsbeiträgen sollen dabei auch Erfahrungsberichte von Praktikerinnen und Praktikern einbezogen werden. Vergleichend angelegte Einzelbeiträge sind ausdrücklich willkommen, aber keine Voraussetzung. Der vergleichende Blick soll insbesondere in den Diskussionen, Kommentaren und der gemeinsamen Reflexion der Beiträge entwickelt und geschärft werden.
Dieses Vorgehen eröffnet neue Einsichten in die Frage, wie Polizei und Militär ihr Handeln im Ausland legitimieren, vor Ort umsetzen und reflektieren, wie sie Wissen, Normen und Praktiken in internationale Zusammenhänge übersetzen und wie sich ihre Rollenbilder im Spannungsfeld zwischen innerer und äußerer Sicherheit verändern. Zugleich erlaubt es, institutionelle Blindstellen sichtbar zu machen, die sich aus unterschiedlichen Mandatierungen, rechtlichen Grundlagen, Dokumentationspraktiken und organisationalen Kulturen ergeben und die Bedingungen militärischer und polizeilicher Auslandsverwendungen nachhaltig prägen. Nicht zuletzt eröffnet der Blick auf die Wahrnehmungen und Zuschreibungen der Menschen in den Einsatzgebieten neue Einsichten in die Frage, was vor Ort als „Polizei“ und was als „Militär“ erscheint.
Als inhaltliche und methodische Klammer dient ein erfahrungsgeschichtlicher Zugang, der neben prägenden Erfahrungen bei den Auslandsentsendungen auch die vorgeschalteten individuellen und institutionellen Erwartungen sowie die sich wandelnden Erinnerungen einschließt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen sowie die Erwartungs- und Deutungsmuster sowohl der im Ausland tätigen Militär- und Polizeiangehörigen als auch von Akteuren und Institutionen in Deutschland und in den Einsatzgebieten, die mit diesen Entsendungen befasst oder von ihnen betroffen waren.
Mittwoch, 25. November 2026
| Uhrzeit | Inhalt |
|---|---|
| Ab 12:00 | Anmeldung |
| 13:00–13:45 Uhr | Eröffnung, Grußworte Einführung in die Tagung
Gundula Gahlen (DHPol) und Haydée Mareike Haass (DHPol) |
| 13:45–14:00 Uhr | Kaffeepause |
| 14:00–15:45 Uhr | PANEL 1 Sicherheit exportieren – Ausbildung, Beratung und Vorstellungen von Staatlichkeit
Moderation: Martin Reese (ZMSBw) |
Haydée Mareike Haass (DHPol) Zwischen Demokratisierung und Othering: Fremdheitserzählungen in Selbstzeugnissen der ersten deutschen Polizeientsentungen in Afghanistan | |
Yves Müller (Hochschule Magdeburg Stendal) „Entsendung von Experten im Rahmen der Möglichkeiten“: Der Auslandseinsatz von Angehörigen der Deutschen Volkspolizei als postkoloniale Polizeihilfe | |
Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw) Zwischen Sicherheitsexport und Staatskonsolidierung: Die militärischen Beziehungen Deutschlands zur Region Kurdistan-Irak seit 2014 | |
| 15:45–16:15 Uhr | Kaffeepause |
| 16:15–18:00 Uhr | PANEL 2 Einsätze legitimieren und verarbeiten – Mandatsdiskurse, Nachsorge und institutionelles Lernen
Moderation: Günther Freisleben (Polizeipräsident a: D: und Head of Mission) |
Peter Buchner (Institut für Soziologie der Universität Koblenz) Zwischen Sozialtechnologie und Jurisprudenz: Polizei und Militär: Gemeinsam, aber nicht (immer) im Gleichschritt | |
Gerlind Kirchhof (Leitung des Kriseninterventionsteams der AG internationale Polizeimissionen) Belastung und psychologische Einsatzbegleitung in internationalen Polizeimissionen | |
Michael Cassens (Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen) Deutsche Polizeiaufbaumissionen: Erwartungen, Erfahrungen und institutionelle Lernprozesse deutscher Polizeikräfte | |
| 18:00–18:30 Uhr | Abendessen (Mensa) |
| 19:30–21:15 Uhr | ABENDVERANSTALTUNG Ausgezeichnet im Einsatz – Die Preisträger 2026 im Gespräch Kasino Moderation: Haydée Mareike Haass (DHPol)
Stephanie Königs (Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss) „Deutsche Polizistin des Jahres“ – Auszeichnung der UN Erfahrungen aus UNMISS/Südsudan
Thomas Hofmann (Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, ZIF) Ausgezeichnet mit dem „Peacekeeper Award 2026“ Erfahrungen aus internationalen EU-Missionen, derzeit EUBAM Rafah |
Donnerstag, 26. November 2026
| Uhrzeit | Inhalt |
|---|---|
| 09:00–10:20 Uhr | PANEL 3 Afghanistan als gemeinsamer Erfahrungsraum – Polizei und Militär zwischen Auftrag, Erfahrung und Evaluierung
Moderation: Haydée Mareike Haass (DHPol) |
Christian Hartmann (ehem. ZMSBw) Afghanistan – Rahmenbedingungen eines Einsatzraums | |
Uwe Marquardt (Kreispolizeibehörde Steinfurt) Strategische Evaluierung des deutschen Polizeiengagements in Afghanistan: Ergebnisse der ressortgemeinsamen Evaluierung des zivilen Engagements der Bundesregierung | |
| 10:20–10:45 Uhr | Kaffeepause |
| 10:45–12:05 Uhr | PANEL 4 Zwischen Evakuierung und Friedenssicherung – deutsche Sicherheitsakteure in internationalen Umbruchsituationen
Moderation: Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw) |
Emma Nentwig (Universität Hamburg) Evakuierung ohne Einsatz? Die bundesdeutschen Planungen zur Rettung deutscher Staatsangehöriger während der iranischen Revolution 1978/79 | |
Daniel Lange (Deutsch-Namibische Gesellschaft) Fallstudie Namibia: Zeitenwende in Südwestafrika 1989/90: Dreifach deutsche Perspektiven auf die erste und einzige deutsch-deutsche UN-Patrouille | |
| 12:05–13:00 Uhr | Mittagspause (Mensa) |
| 13:00–14:20 Uhr | PANEL 5 Gegenwärtige Auslandseinsätze von Polizei und Bundeswehr – Auftrag, Praxis und Erfahrungen zwischen Kontinuität und Wandel
Moderation: Fabian Hönicke (DHPol) |
Aylin Sözen (Kreispolizeibehörde Neuss) Polizeiliche Erfahrungen aus dem Kosovo-Einsatz | |
Günther Freisleben (Polizeipräsident a. D. und Head of Mission) Praxiserfahrungen aus verschiedenen Missionen: Der polizeiliche Blick auf die Bundeswehr | |
| 14:20–14:45 Uhr | Kaffeepause |
| 14:45–16:15 Uhr | Programmpunkt offen |
| 16:15–17:35 Uhr | PANEL 6 Sicherheit exportieren – Wissenstransfer und internationale Sicherheitskooperation
Moderation: Gundula Gahlen (DHPol) |
Fabian Bennewitz (Institut für Zeitgeschichte München–Berlin, Abteilung im Auswärtigen Amt) Ausbildungshilfe zwischen demokratischem Aufbruch und Repression: Westdeutsche Polizeiexperten in Guatemala (1986–1991) | |
Noura Chalati (Universität Leiden) Wissenszirkulation zwischen der Deutschen Volkspolizei der DDR und der syrischen Polizei: SIGINT-Ausbildung und Sicherheitskooperation | |
| 17:35–18:30 Uhr | Abendessen (Mensa) |
Freitag, 27. November 2026
| Uhrzeit | Inhalt |
|---|---|
| 08:30–10:30 Uhr | ROUNDTABLE Internationale Missionen von Polizei und Streitkräften – Erfahrungsberichte und Perspektiven Moderation: Oliver Bossert (Deutsche Hochschule der Polizei, DHPol) |
Stephanie Königs (Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss) Polizeiliche Erfahrungen aus UNMISS/Südsudan | |
Thomas Hofmann (Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, ZIF) Zivile Erfahrungen aus internationalen EU-Missionen | |
Günther Freisleben (Polizeipräsident a: D: und Head of Mission) Erfahrungen aus internationalen Polizeimissionen | |
Nick Almstädt (NATO-Mission, Bosnien) Militärische Rollen im Wandel: Verantwortung, Handlungsspielräume und Lernen in internationalen Missionen | |
| 10:30–11:00 Uhr | Kaffeepause |
| 11:00–11:45 Uhr | Abschlusskommentare
Thorsten Loch (ZMSBw) und Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw) |
| 11:45–12:30 Uhr | Mittagessen (Mensa) |
Gundula Gahlen (DHPol)
Haydée Mareike Haass (DHPol)
Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)
Thorsten Loch (ZMSBw)
Gastzuhörer können sich bis zum 31. Oktober 2026 für die Veranstaltung per E-Mail bei Denise Tschirner unter denise.tschirner@dhpol.de anmelden.
Oberstleutnant Michael Gutzeit
Deutsche Hochschule der Polizei
Universität der Polizeien des Bundes und der Länder
Zum Roten Berge 18–24
48165 Münster