Vor 75 Jahren: Gründung der NATO
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 4. April 1949 die NATO in Brüssel gegründet. Sie ist bis heute das am längsten bestehende internationale Verteidigungsbündnis. Der Anlass für die Gründung vor 75 Jahren war die wahrgenommene Bedrohung, die von der Sowjetunion ausging. Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 1/24 der Zeitschrift „Militärgeschichte“.
Starke Gemeinschaft: Heute gehören der NATO 32 Mitgliedstaaten an.
Bundeswehr/Sebastian Wilke
Eiserner Vorhang: Die NATO, im Westen, und der Warschauer Pakt, im Osten, bildeten die zentralen militärischen Verteidigungsbündnisse des Kalten Krieges. Inmitten der heutigen Bundesrepublik standen sich beide Bündnisse unmittelbar gegenüber.
Bundeswehr/Nogli
Von Freunden umgeben: Bundeskanzler Konrad Adenauer und Herbert Blankenhorn, ab 1955 Botschafter der Bundesrepublik bei der NATO, auf der Konferenz in Paris im Mai 1955. Hier wurde die Bundesrepublik in die NATO-Gemeinschaft aufgenommen.
(c) 1969 Bundeswehr / USISAm 9. Mai 1955 trat die Bundesrepublik Deutschland als 15. Staat der NATO bei. Diesem Schritt vorausgegangen war das Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft im Sommer 1954. Das Veto der französischen Nationalversammlung verhinderte die Aufstellung einer europäischen Armee mit einem westdeutschen Verteidigungsbeitrag.
Da die Bedrohung durch die Sowjetunion im Westen weiterhin hoch eingeschätzt wurde, begannen alsbald neue intensive Verhandlungen. Auf zwei Konferenzen in London und Paris wurde schließlich vereinbart, die Bundesrepublik mit einem eigenen Truppenkontingent in die NATO aufzunehmen. Die Aufstellung deutscher Streitkräfte sollte dabei europäisch kontrolliert werden. Dazu trat die Bundesrepublik der Westeuropäischen Union (WEU) bei. Im Rahmen der Vertragsschlüsse wurde auch der deutsche Verzicht auf die Herstellung und den Besitz atomarer, biologischer und chemischer Waffen erklärt, der bis heute Gültigkeit besitzt. Als Reaktion auf den westdeutschen NATO-Beitritt wurde die DDR Teil des Warschauer Paktes. Diese Entwicklungen zementierten zwar die deutsche Teilung, zugleich war die Bundesrepublik, zehn Jahre nach dem Ende des NS-Staates, zu einem anerkannten Bündnispartner der westlichen Mächte geworden.
Die Flagge als Symbol: Die marineblaue Hintergrundfarbe steht für den Atlantischen Ozean, die Kompassrose in der Mitte verweist auf den gemeinsamen Kurs der Mitglieder und die vier Striche symbolisieren die Himmelsrichtungen.
Bundeswehr / ModesDas Spektrum der NATO-Einsätze reicht von robusten Operationen zur Friedenssicherung und friedenserzwingenden Maßnahmen über Ausbildungsmissionen und humanitäre Hilfseinsätze bis hin zu Maßnahmen der Terrorbekämpfung. Während des Kosovokrieges 1999 agierte die NATO ohne UN-Mandat. Siehe hierzu auch den Beitrag Erzwungener Friede. 25 Jahre Einsatz im Kosovo.
Transparent und gemeinsam: Die Kompassrose vor dem mehrheitlich aus Glas bestehenden NATO-Hauptquartier in Brüssel steht für den gemeinsamen Kurs aller Mitglieder. Sie ist auch auf der NATO-Flagge abgebildet.
Bundeswehr/Sebastian WilkeDie Architektur des NATO-Hauptquartiers in Brüssel demonstriert zentrale Werte des Bündnisses: 7300 m² verbautes Glas stehen für Transparenz. Sicherheit und Schutz durch Zusammenhalt symbolisieren die wie Finger zweier Hände verschränkten Gebäudeteile. Von einem Gebäudeteil in den anderen gelangt man nur über einen Innenhof, die Agora (griech. Markt, Versammlungsort). In ihrer Mitte liegt der Trakt des NATO-Generalsekretärs, an dessen Eingangstür das NATO-Alphabet angebracht ist. Die international verwendete Buchstabiertafel steht für Dialog.
Erinnerung an den Bündnisfall: Vor dem NATO-Hauptquartier wird der Überrest eines Stahlträgers vom World Trade Center ausgestellt. Er soll an die Opfer der Anschläge erinnern und an die Bedeutung dieses Ereignisses für die NATO.
Bundeswehr/Sebastian WilkeDas erste Mal wurde der NATO-Bündnisfall erst nach Ende des Kalten Krieges in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center (WTC) und das Pentagon ausgerufen. Er sieht ein gemeinsames Handeln nach dem Angriff auf einen der Bündnispartner vor. Am Eingang des NATO-Hauptquartiers stehen Überreste eines Stahlträgers des WTC. Die Skulptur erinnert an die Opfer der Anschläge, die Auswirkungen, die diese auf das Bündnis hatten, und die Streitkräfte, die seitdem weltweit zur Terrorbekämpfung eingesetzt werden.
Die NATO hat sich seit ihrer Gründung 1949 stets erweitert. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion strebten zahlreiche ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts eine Mitgliedschaft im Verteidigungsbündnis an. Bemerkenswert sind vor allem die jüngsten Beitritte Schwedens und Finnlands, die während des Kalten Krieges noch eine klare Neutralitätspolitik verfolgten. Der Überfall Russlands auf die Ukraine gab in jüngster Vergangenheit Anlass für eine Kursänderung. Mit dem Beitritt Finnlands sind für die NATO nun über 2000 Kilometer unmittelbare Grenze mit Russland hinzugekommen.
Wachsende Gemeinschaft: Viele ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts strebten nach 1990 eine Mitgliedschaft in der NATO an. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 kamen vormals neutrale Länder dazu.
Bundeswehr/Noglivon Cornelia Juliane Grosse und Esther Geiger