Hybride Kriegführung: Offiziersweiterbildung und öffentlicher Vortrag beim KSK
- Datum:
- Ort:
- Calw
- Lesedauer:
- 2 MIN
„Hybride Kriegführung – Eine neue Form den Krieg zu denken“, unter diesem Titel hielt Oberst Dr. Johann Schmid am 16. Juli 2025 einen öffentlichen Abendvortrag im Besucherzentrum des Kommandos Spezialkräfte unter Leitung des Kommandeurs KSK, Brigadegeneral Alexander Krone.
Das Besucherzentrum des Kommando Spezialkräfte außerhalb der Kaserne in Calw.
BundeswehrDem Abendvortrag vorangegangen war eine Offiziersweiterbildung zum gleichen Thema für das Offizierskorps des Verbandes. Neben den spezifischen Gefahren, Herausforderungen und Strategien stand insbesondere die Konzeptualisierung Hybrider Kriegführung, wie auch die aktuelle Bedrohungslage durch Russland im Fokus. Aus dem sich hybrid verändernden Kriegsbild leitete Oberst Dr. Schmid insbesondere auch eine wachsende Bedeutung von Spezialkräften ab. Dem Vortrag schloss sich eine sehr rege und interessierte Diskussion an.
Oberst Dr. Schmid verdeutlichte, dass in Zeiten hybrider Kriegführung die Grenzen zwischen Krieg und Frieden, Freund und Feind wie auch die Trennlinie zwischen innerer und äußerer Sicherheit „verschwimmen“. In der Folge, so Schmid, gerieten „nicht nur die Streitkräfte sondern auch Wirtschaft, Infrastruktur, Gesellschaft und Kultur ins Fadenkreuz hybrider Aggressoren.“ Er führte aus, dass dabei militärische wie auch nicht-militärische Angriffsvektoren zum Tragen kämen. Letztere beispielsweise in Form von Desinformation und Propaganda, „Weaponized Migration“, Unterwanderung, ideologischer Radikalisierung, krimineller Zersetzung, Spionage, Sabotage oder auch Terror und Terrorismus.
"Der Frieden als auch der Spannungs- und der Verteidigungsfall müssen hybrid gedacht werden.“
Hybride Kriegführung kennzeichne sich nach Oberst Dr. Schmid durch Operationen in den Grauzonen von Schnittstellen in Verbindung mit der kreativen und unorthodoxen Kombination von Mitteln und Methoden auf einem horizontal entgrenzten Gefechtsfeld. Für die Streitkräfte bedeute die Konfrontation mit hybrider Kriegführung, „zuallererst ihren militärischen Hauptauftrag - d.h. für die Bundeswehr die Landes- und Bündnisverteidigung - bestmöglich zu beherrschen.“ Grund dafür sei, dass der konventionelle Kampf höchster Intensität Teil einer übergeordneten Gesamtstrategie hybrider Kriegführung darstellen kann. In der Vorbereitung hierauf müsse daher auch im Kontext hybrider Kriegführung der „Schwerpunkt für die Streitkräfte“ liegen.
Darüber hinaus kommt es nach Oberst Dr. Schmid darauf an „die Räume für hybride Schattenoperationen in den Grauzonen von Schnittstellen systematisch zu verengen und damit die Handlungsoptionen hybrider Herausforderer zu beschneiden.“ Es gelte nach ihm die Zuständigkeits- und Verantwortungslücken sowie Räume mangelnder Gesamtverantwortung zu identifizieren und zu schließen. Das gelte nach Schmid „auch für die Lücken im eigenen normativen und rechtlichen Ordnungsrahmen.“ Einen „Katalysator“ hierfür sieht er im „Beüben hybrider Schnittstellenszenarien mit allen relevanten Teilakteuren unter Federführung eines neu zu schaffenden Nationalen Sicherheitsrates.“
von Michael Gutzeit